Schnellzugriff:

V-1 Schaffung eines omnipräsenten Awareness-Konzepts

AntragstellerInnen: Juso Kreisverband Saarlouis

Schaffung eines omnipräsenten Awareness-Konzepts

Von der Kultur der Politik profitieren in erster Linie privilegierte weiße cis-Männer, obwohl diese in der Praxis lediglich einen kleinen Teil unseres Jugendverbandes einnehmen. Denn auch wir als Jusos grenzen in unserem Verband Menschen aus – ohne es zu beabsichtigen.
 
Darum fordern wir die Einführung und Ausarbeitung eines entsprechenden Awarenesskonzeptes – möglichst auch auf Landesebene. Es braucht direkte Ansprechpartner:innen, an welche sich Betroffene bei allen Formen von Konflikten wenden können.
 
Wir befinden uns tagtäglich in Situationen, in denen wir uns unwohl, nicht gehört oder nicht richtig ernstgenommen fühlen. Oft wünschen wir uns dann eine Person, gegenüber derer man völlig wertfrei seine persönlichen Empfindungen und Erfahrungen vorbringen kann. Normalerweise besteht in Situationen, in denen man sich unwohl fühlt, die Möglichkeit sich zurückzuziehen. Wenn du in einer Gruppe von Menschen bist, bei denen eine (oder mehrere) Person(en) dir ein schlechtes Gefühl oder ein Empfinde der Unsicherheit vermitteln, kannst du diese Problematik ansprechen oder dich künftig von dieser Gruppe fernhalten.
 
Anders verhält es sich jedoch in einer strukturierten Jugendorganisation. Wir alle haben in den vergangenen Monaten die Situation in der Linkspartei mitverfolgt. Dabei kommt die Frage auf wie solche schrecklichen Geschehnisse in einer Partei passieren können, die sich als antirasisstisch und feministisch versteht. Welche Strukturen führen dazu, dass diese Täterinnen den Raum und die Plattform für diese Taten erhalten. Und kann man vom vornehmerem wirklich zweifellos ausschließen, dass es solche fehlgeleitetem Machtstrukturen nicht auch im uns herum gibt und es gerade kein ausschließliches Problem der Linkspartei ist.
 
Dieses Phänomen tritt nicht nur in Parteien, sondern generell in ähnlich strukturierten Gruppierungen auf. So z.B. im Sport- oder Musikverein, bei den Pfadfinder:innen oder aber im normalen Schul- oder Arbeitsleben. Hier trifft man früher oder später auf Personen, mit welchen man unter normalen Umständen überhaupt nicht in Kontakt treten würde. Dies führt einerseits zu ungewöhnlichen oder unerwarteten Freundschaften, eröffnet wiederum auch einen Raum für Konflikte. Denn kommst du nun mit bestimmten Personen nicht klar, bist du dennoch darauf angewiesen mit diesen weiterhin Zeit zu verbringen und zusammenzuarbeiten. Meist sitzt eine Person am längeren Hebel und hat in der Hand wie dein Verhalten ihr gegenüber sich prozentual auf deine zukünftigen Erfolgschancen und Möglichkeiten in ebendieser Vereinigung auswirken können. Ein Phänomen, welches in der Arbeitswelt weit vertreten ist, aber auch immer wieder in anderen Vereinigungen, insbesondere solchen der Freiwilligenarbeit und des Ehrenamtes aufritt.
 
Eine Begebenheit, welche in der Vergangenheit zwangsläufig auch im Bereich der Jusos Saar aufgetreten sein wird. Hier gilt es nun anzusetzen. Es liegt in unser aller Verantwortung diese Jugendvereinigung weiterhin als Ort zu erhalten, an den Personen gerne kommen und bei dem sie nicht befürchten müssen, aufgrund ihres Verhaltens gegenüber anderen möglicherweise „höher gestellten“ Personen um ihre Zukunft in der Partei fürchten zu müssen oder aber niemals die Chance eröffnet bekommen aufzusteigen, da immer nur die Namen bestimmter, von diesem System der Politik und Seilschaften profitierender Personen in Räumen, in denen Entscheidungen zu treffen sind, genannt werden. So ist gerade auch unser Verband nicht frei von Diskriminierung und Ungerechtigkeiten.
 
Es liegt nun in unserer Pflicht Räume zu schaffen und zu fördern, in denen stets gewährleistet werden kann, dass sich alle Personen wohl und sicher fühlen und sich – ohne äußerliche Hürden - auf den eigentlichen Kern der Jugendarbeit konzentrieren können. Jede*r soll seinen*ihren Beitrag leisten können, ohne befürchten zu müssen für diesen diskriminiert, ausgegrenzt oder verurteilt zu werden. Dies kann nur durch stets rücksichtsvolles Handeln und kritische Selbstreflektion geschehen.
 
Um diesen Prozess der Bewusstmachung zu fördern, braucht es die Erarbeitung eines Awarenesskonzepts, insbesondere mit Einführung eines entsprechenden Awarenessteams, an welches sich jede*r bei Bedarf wenden kann. Um auch in unserem saarländischen Verband das Bewusstsein für Ungleichheiten zu verschärfen und diskriminierungsfreie Räume zu schaffen, fordern wir den Landesverband auf, ein solches Awareness-Konzept zu erarbeiten. Dabei soll auf die Erfahrungen anderer Juso-Gliederungen, die bereits erfolgreich Awareness-Teams gegründet haben, zurück gegriffen werden.
 
Das Awarenesskonzept soll uns als Leitfaden dafür dienen, wie wir mit strukturellen Problemen umgehen und einen gerechteren Umgang miteinander fördern können. Das Awarenessteam wiederum soll als zusätzliche Stütze bei der Umsetzung dieses Konzeptes dienen. Es braucht eine vertrauliche und niedrigschwellige Anlaufstelle für alle, denen eine Form von Ungleichbehandlung oder Unwohlsein in unserem Verband begegnet. Betroffene sollen die Möglichkeit schneller und unkomplizierter Hilfe und Beratung, erhalten.
 
Um Diskriminierung von vorneherein vorzubeugen, sollte das Awarenessteam ebenfalls Aufklärungs- und Sensibilisierungsarbeit leisten. Denn vielen ist gar nicht bewusst an welchem Punkt ihr Verhalten andere negativ beeinflusst oder diskriminierende Strukturen fördert. Als sozialistischer, feministischer und antifaschistischer Jugendverband gehört es zu unseren Hauptaufgaben gegen die Diskriminierung von Menschen vorzugehen. Und dies nicht nur außerhalb, sondern bereits innerhalb unserer Strukturen, denn Rassismus, Sexismus, Homophobie, Ableismus und Antisemitismus sind auch im Jahre 2022 immer noch präsente Probleme – auch bei uns Jusos.

Beschluss

angenommen

PDF

Download (pdf)

Änderungsantrag zu V-1 erstellen

Betrifft die Antragszeile


Bitte trage in das Feld „Betrifft die Antragszeile“ nur die erste Zeile ein, die von deinem Änderungsantrag betroffen ist (wenn z.B. die Zeilen 123 bis 140 ersetzt werden sollen, schreibe nur 123 in das Feld). Der eigentliche Änderungsantrag gehört – mit allen Zeilennummern ganz normal ins Textfeld. Im oberen Beispiel also: “Ersetze Zeile 123 bis 140 durch Blablub…”. Also nochmal: Das Feld “Betrifft die Antragszeile” dient nur technischen Zwecken. Die Angabe wird nicht auf den Änderungsanträgen abgedruckt! Das Antragstool kann aber nur gut funktionieren, wenn ihr diese Angabe macht.

AntragstellerInnen


(wird nicht veröffentlicht)
(wird nicht veröffentlicht)

falls Rückfragen bestehen

Text

Bitte verzichte auf die Worte „erfolgt mündlich“, sondern nutze das Feld nur für wirkliche Begründungen.


Abschicken