A-3 Reformierung des Erzieher_innen-Berufs – Mehr Praxis und mehr Gehalt

AntragstellerInnen: Saarlouis

Zur Weiterleitung an:

Juso-Bundeskongress

Reformierung des Erzieher_innen-Berufs – Mehr Praxis und mehr Gehalt

In Sachen frühkindlicher Bildung und Betreuung tut sich was: der Ausbau der Kindertagesstätten geht voran. Vielerorts werden auf Drängen verschiedener Institutionen marode oder veraltete Gebäude aufwendig saniert und aufgrund einer stetig steigenden Nachfrage an Krippenplätzen ausgebaut und vergrößert. „Na endlich bewegt sich was in der frühkindlichen Bildung und der Ruf der Gesellschaft nach mehr Betreuungsangeboten wurde von den Parteien gehört!“, könnte man denken. Blöd nur, wenn dann zwar zahlreiche Kindertagesstätten und Betreuungsangebote vorhanden sind, es jedoch an Erzieher_innen mangelt. Hier liegt nämlich - neben dem mangelnden Angebot an Betreuungsplätzen - das zweite Problem hinsichtlich der frühkindlichen Betreuung und Bildung: der kontinuierlich steigende Bedarf an Erzieher_innen. Deutschlandweit wird mancherorts händeringend nach Betreuer_innen für die ganz Kleinen gesucht. Denn ohne eine ganztägige Betreuung ist es vielen Eltern nicht möglich, Familie und Beruf unter einen Hut zu bekommen. Meistens bleibt dann aufgrund eines fehlenden Betreuungsangebots die Mutter zu Hause, was im Umkehrschluss weniger Einkommen für die Familie bedeutet.
Was sind also die Ursachen für den deutschlandweiten Mangel an Erzieher_innen? Zum einen ist es die mangelnde Attraktivität, die dieser Beruf mit sich bringt. Dies beginnt schon in der Ausbildung. Die ersten drei Jahre besuchen angehende Erzieher_innen eine Fachoberschule und verdienen keinen Cent dabei, da sie eine Fachoberschule besuchen und keine Berufsschule, wie es in anderen Ausbildungsberufen üblich ist. Die ersten drei Jahre der Erzieher-Ausbildung sind also stark von theoretischem Unterricht und so gut wie keiner Praxiserfahrung geprägt. Um diesem anspruchsvollen Beruf gerecht zu werden, wäre es jedoch wichtig, dass angehende Erzieher_innen bereits während der Ausbildung praktische Erfahrungen sammeln und wissen, was im späteren Berufsalltag auf sie zukommt. Schließlich müssen angehende Lehrer_innen im Vergleich und je nach Bundesland ebenfalls zahlreiche Praktika und Praxissemester absolvieren. Die Erzieher_innen-Ausbildung müsste also dahingehend reformiert werden, dass die Praxisanteile während der Ausbildung deutlich erhöht werden. Als Grundlage einer Reformierung könnte hier das duale Ausbildungsmodell, das Theorie und Praxis miteinander kombiniert dienen; vergleichbar mit anderen Ausbildungsberufen. Das würde bedeuten, ein bis zwei Tage Unterricht an einer Berufsschule, drei bis vier Tage arbeiten in einer Kindertagesstätte oder einem Kindergarten. Diese Ausbildungsreformierung würde dann auch eine Bezahlung bereits während der Ausbildung rechtfertigen, so wie es in anderen Ausbildungsberufen üblich ist.
Hier verdient man bereits ab dem ersten Tag der Ausbildung zumindest etwas Geld. Erzieher_innen verdienen jedoch zum jetzigen Zeitpunkt lediglich im vierten Jahr der Ausbildung, im Anerkennungsjahr, durchschnittlich 1400 Euro brutto [Quelle: https://www.ausbildung.de/berufe/erzieherin/gehalt/, 04.06.18].
Wenn dann die Ausbildung beendet ist und man in diesem anspruchsvollen Beruf arbeitet, liegt das maximale Einkommen bei c.a. 4.300 Euro brutto. Das Einsteigsgehalt einer Erzieherin/ eines Erziehers
liegt im Vergleich hierzu bei durchschnittlich ca. 2110 Euro (Quelle:Lohnspiegel.de). Jedoch hat man bei ersterem Gehalt eher die Position einer Kindertagesstätten-Leitung inne. Vergleicht man dazu die Gehälter der Lehrer_innen, so liegt das Einstiegsgehalt(!) eines befristet angestellten Lehrers bei durchschnittlich 3.500 Euro (Quelle: GEW-Gehaltstabelle); von den Einkommen verbeamteter Lehrer ganz zu schweigen.
Der Vorschlag der derzeitigen Bundesfamilienministerin Franziska Giffey, Erzieher_innen und Lehrer_innen bezüglich ihres Einkommens gleichzustellen, ist ein erster Versuch, den Beruf des Erziehers endlich attraktiver zu machen und dadurch den Bedarf an Erziehern zu decken. Denn es darf nicht vergessen werden, dass nicht nur die vielen Lehrer_innen tagtäglich einen schwierigen und anspruchsvollen Job machen, sondern auch die Erzieher! Sie kümmern sich genauso um die Bedürfnisse unserer Zukunft wie die Lehrer. Je nach dem aus welcher Perspektive man sich den Beruf des Erziehers ansieht, sind sogar die Erzieher_innen diejenigen, die den Grundstein für eine erfolgreiche Bildungskarriere legen, da sie den Kindern schon in den frühsten Monaten ihres Lebens die wichtigsten Werte beibringen, Vorbilder für die Kleinen sind und sie dazu animieren zu lernen und ihre Umwelt zu entdecken. In Zeiten, in denen beide Elternteile oft den ganzen Tag arbeiten und ihre Kinder erst in den frühen Abendstunden wieder in Empfang nehmen und somit die Erziehungsarbeit eher den Erzieher_innen zukommt als den Eltern, ein sehr wichtiger Aspekt. Wenn die Kinder dann das Grundschulalter erreichen, haben die Erzieher_innen diese Kinder bereits zu Menschen erzogen, die wissen, wie man mit anderen ohne Konflikte auskommt, wie man neue Dinge lernt und wie man sich zu benehmen hat.
Wenn wir daher unseren Kindern - egal von welcher Herkunft – das bestmögliche Bildungsangebot bieten wollen, muss der Beruf des Erziehers nicht nur während der Ausbildung, sondern auch später, deutlich an Attraktivität gewinnen! Erzieher_innen müssen endlich die Anerkennung bekommen, die sie auch verdient haben! Nur auf diese Weise können wir den Mangel an Erzieher_innen beheben. Eine gute frühkindliche Bildung wird sich einige Jahre später für Deutschland als führendes Industrie- und Wirtschaftsland auszahlen, indem unserer zukünftigen Eliten von Anfang an gute Bildung erfahren.
Um der derzeitigen Ungerechtigkeit und mangelnden Anerkennung, die der Beruf des Erziehers zurzeit erfährt, entgegenzuwirken, fordern wir:
• die Reformierung der Erzieher_innen-Ausbildung hin zu einem dualen Ausbildungsmodell mit Praxis – und Theorieanteilen, vergleichbar mit anderen Ausbildungsberufen
• eine, damit verbundene, den Anforderungen des Berufs angemessene Vergütung bereits während der Ausbildung und ab dem ersten Tag der Ausbildung
• eine, wie bereits von der Bundesfamilienministerin geforderte finanzielle Gleichstellung des Berufs mit dem des Lehrers
Begründung:
Erfolgt mündlich.

Beschluss

geändert angenommen

PDF

Download (pdf)

Änderungsanträge zu A-3

Nr Zeile AntragstellerInnen Text Begründung Status
A-3-52-53 52-53 Saarpfalz

Streiche in Zeile 52 bis 53 von „und diesen Beruf“ bis „den des Lehrers“

Änderungsantrag zu A-3 erstellen

Betrifft die Antragszeile


Bitte trage in das Feld „Betrifft die Antragszeile“ nur die erste Zeile ein, die von deinem Änderungsantrag betroffen ist (wenn z.B. die Zeilen 123 bis 140 ersetzt werden sollen, schreibe nur 123 in das Feld). Der eigentliche Änderungsantrag gehört – mit allen Zeilennummern ganz normal ins Textfeld. Im oberen Beispiel also: “Ersetze Zeile 123 bis 140 durch Blablub…”. Also nochmal: Das Feld “Betrifft die Antragszeile” dient nur technischen Zwecken. Die Angabe wird nicht auf den Änderungsanträgen abgedruckt! Das Antragstool kann aber nur gut funktionieren, wenn ihr diese Angabe macht.

AntragstellerInnen


(wird nicht veröffentlicht)
(wird nicht veröffentlicht)

falls Rückfragen bestehen

Text

Bitte verzichte auf die Worte „erfolgt mündlich“, sondern nutze das Feld nur für wirkliche Begründungen.


Abschicken