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G-3 Psychische Erkrankungen in Schulen thematisieren

AntragstellerInnen: Juso Kreisverband St. Wendel

Zur Weiterleitung an:

SPD Landesparteitag

Psychische Erkrankungen in Schulen thematisieren

An einem Thema kam man besonders die letzten zwei Jahre nicht mehr umher – psychische Erkrankungen und allen voran das Thema Depressionen. Aber auch schon lange vor der Corona-Pandemie zeigte sich, dass das Thema eine gesellschaftliche Relevanz einnimmt. Eine Studie der Universität Dresden aus dem Jahr 2011 besagt, dass ein Drittel der EU-Bevölkerung im Laufe des Lebens von psychischen Krankheiten betroffen ist. Sie stellt ebenfalls dar, dass die Erkrankungen in allen Altersstufen ähnlich häufig und selbst unter Kindern und Jugendlichen weit verbreitet sind.
 
An Depressionen erkranken aktuell etwa 3-10 % aller Jugendlichen zwischen 12 und 17 Jahren. Es ist daher davon auszugehen, dass mindestens ein Kind pro Schulklasse davon betroffen ist. Die Corona-Pandemie hat diese Zahl alles andere als gemindert. Die Copsy-Längschnittstudie* hat gezeigt, dass fast jedes dritte Kind in der Corona-Pandemie psychische Auffälligkeiten aufweist und sich die Zahl im Vergleich zu vor der Pandemie somit verdoppelt hat. Depressive Störungen haben laut der Studie ebenfalls deutlich zugenommen.
Nennenswert in diesem Zusammenhang ist auch die Tatsache, dass die Zahl der Kinder und Jugendlichen, die aufgrund einer Depression stationär therapiert werden, zwischen 2019 und 2021 bei den 15- bis 17-jährigen um 28 % und im Alter von 10 bis 14 Jahren um 27 % gestiegen ist.
 
Die Zahlen zeigen deutlich, dass wir es hier mit einer gesellschaftlich wichtigen Thematik zu tun haben und dass es neben einer Intervention es auch vor allem viel Prävention bedarf. Und wo findet Prävention statt, wenn nicht in der Schule.
In vielen Schulen wird schon umfangreich Präventionsarbeit geleistet. Auch in puncto Gesundheitsprävention. In der Grundschule wird den Kindern beigebracht, wie sie sich richtig die Zähne putzen und im Sexualunterricht lernt man wie ein Kondom richtig übergezogen wird. Aber über psychische Krankheiten wird an vielen Schulen nicht gesprochen. Oftmals ist es sogar ein Tabuthema.
 
Berührungsängste und Vorurteile, mit denen das Thema nach wie vor behaftet ist, könnten viel einfacher aus unserer Gesellschaft verschwinden, wenn in der Schule mehr und offener darüber gesprochen werden würde.
 
Um über diese Themen mit den Schüler*innen zu sprechen, müssen Lehrkräfte und Schulsozialarbeiter*innen für diese Aufgabe die notwendigen Kompetenzen vermittelt werden. Im idealen Fall nehmen die Themen Psychische Erkrankungen und Prävention schon in der Ausbildung einen Platz ein. Fortbildungen können ebenfalls schon einen wichtigen Beitrag dazu leisten, dass zum einen Informationen vermittelt werden und zum anderen mehr für das Thema sensibilisiert wird.
Die Thematisierung in Schulklassen hätte ebenfalls den Effekt, dass Mitschüler*innen aufgeklärt werden und damit eine Stigmatisierung aufhören könnte. Ein*e Schüler*in bleibt nicht aus Unlust wochenlang zu Hause, sondern weil er*sie krank ist.
Depressionen und psychische Erkrankungen können in verschiedenen Unterrichtsfächern behandelt werden. Im Deutschunterricht beispielsweise durch das Lesen bestimmter Literatur oder der Analyse von Gedichten. Biologie-, Religions- und Ethikunterricht bieten sich ebenfalls an.
Eine Enttabuisierung kann und darf natürlich nicht nur mithilfe der Schule gelingen, sondern ist eine gemeinschaftliche Aufgabe in unserer Gesellschaft. Demnach müssen auch explizit Erziehungsberechtigte sensibilisiert und mit ins Boot genommen werden.
 
Langfristiges Ziel muss es sein, dass seelische Gesundheit in der Mitte unserer Gesellschaft ankommt. Es muss selbstverständlich sein, auf seelisches Wohlbefinden zu achten und niemand darf wegen einer seelischen Krise ausgegrenzt werden. Wenn wir Depressionen und andere psychische Erkrankungen in unserer Gesellschaft besser verstehen und ernst nehmen wollen, müssen wir in der Schule damit anfangen.
 
Aus diesem Grund fordern wir:


  1. Das Thema psychische Erkrankungen und im Speziellen das Thema Depression wird bereits im Lehramtsstudium berücksichtigt.

  2. Konkrete Unterrichtsbeispiele bezüglich der Aufklärung über psychische Erkrankungen werden in die Lehrpläne aufgenommen.

  3. Informationsmaterialien über die Krankheitsbilder sowie über Beratungsmöglichkeiten werden den Lehrkräften und dem sozialpädagogischen Personal in den Schulen zur Verfügung gestellt.

  4. Auf der Homepage des Ministeriums für Bildung und Kultur werden Informationsmaterialien für alle Beteiligten der Schulgemeinschaft zur Verfügung gestellt.

  5. Es wird ein Aufklärungsvideo für Schüler*innen und Erziehungsberechtigte erstellt und über die Homepage des Ministeriums für Bildung und Kultur bereitgestellt.

  6. Die Schulen erstellen eine standortspezifische Übersicht über innerschulische und außerschulische Hilfsangebote in ihrer Umgebung.

  7. Die Schulen werden angeregt, im Rahmen von Projekttagen das Thema aufzugreifen.

  8. Fortbildungen zum Thema psychische Gesundheit für Lehrkräfte und Schulsozialarbeiter*innen werden stärker ausgebaut.


 
 
 
 
 
 
 
*Die COPSY-Längsschnittstudie untersucht die Auswirkungen und Folgen der COVID-19 Pandemie auf die psychische Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in Deutschland. Die Studie wird von der Forschungsabteilung Child Public Health am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf durchgeführt.

Beschluss

geändert angenommen

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