A-11 Kinder und Jugendhilfe im Saarland stärken

AntragstellerInnen: St. Wendel

Zur Weiterleitung an:

SPD Landesparteitag

Kinder und Jugendhilfe im Saarland stärken

In unserer Gesellschaft hat der Schutz und das Wohl von Kindern und Jugendlichen einen sehr hohen Stellenwert. Doch Anspruch und Wirklichkeit liegen in unserer Gesellschaft oft weit auseinander. Denn wenn es in Bezug auf den Schutz und die Rechte von Kindern und Jugendlichen konkret wird, zeigt sich noch viel Nachholbedarf.
Im aktuellen Kinderreport 2018 des Deutschen Kinderhilfswerks zeigt sich eine erste deutliche Diskrepanz zwischen dem Anspruch der Gesellschaft, das Kindeswohl aller Kinder und Jugendlichen sicherzustellen und dem Wissen, welche Kinderrechte und den dadurch folgenden Pflichten für die Gesellschaft überhaupt bestehen. Lediglich 12% der befragten Erwachsenen wissen genau, von welcher Art die Rechte von Kindern und Jugendliche eigentlich konkret sind. Deshalb können sie auch die darauffolgenden Pflichten für die Gesellschaft nicht klar benennen. Eine deutliche Mehrheit von 75% kennen Kinderrechte nur dem Namen nach. Bei Kindern und Jugendlichen ist das Wissen um die eigenen Rechte teilweise noch schlechter verbreitet. So kennen sich gerade einmal 16% der befragten Kinder gut mit ihren eigenen Rechten aus und 24% haben noch nie etwas von Kinderrechten gehört.
Auch im Bereich der Bekämpfung von Kinderarmut in Deutschland gibt es großen Nachholbedarf. So lebten 2017 deutschlandweit 2,1 Millionen Kinder und Jugendliche in Familien, die Grundsicherung beziehen und somit als arm gelten. Das ist im Vergleich zum Vorjahr ein Anstieg der Kinderarmut um 5,2% auf rund 14%. Im Saarland sind die Zahlen noch gravierender. Hier leben19,6% der Kinder und Jugendliche in Familien, die Grundsicherung beziehen.
Doch nicht nur die Entwicklung bezüglich der ansteigenden Kinderarmut in Deutschland und im Saarland ist besorgniserregend, auch der Stand der Entwicklungsverzögerungen im Einschulungsjahr 2013/14 zeigt, dass auch in der Präventionsarbeit noch viel zu leisten ist, damit sich die Armut nicht im Erwachsenenalter fortführt und generationsübergreifend bestehen bleibt. 4397 der untersuchten Kinder im Saarland und somit 55,6% aller untersuchten Kinder weisen eine oder mehrere Entwicklungsverzögerungen auf. Dies zeigt sehr deutlich, warum zielgerichtete und ganzheitliche Präventionsarbeit in der Kinder- und Jugendhilfe so wichtig sind. Umfangreiche und ausfinanzierte Präventionsprogramme können Entwicklungsverzögerungen und damit einhergehenden Entwicklungsstörungen verhindern. Durch diese früh ansetzenden, präventiven Programme lassen sich nachgegliederte und langanhaltende Probleme in der Entwicklung eines Menschen verhindern. Dadurch werden die Ursachen und nicht die Symptome von Entwicklungsstörungen behandelt. Damit geht eine Entlastung aller nachfolgenden Sozialstaatsprogrammen einher. Aus diesen Gründen ist eine gute, ausfinanzierte, frühansetzende und präventive Kinder- und Jugendhilfe auch aus einer ökonomischen Perspektive betrachtet sinnvoll.
Deshalb fordern wir:
- die Privatisierung in der Kinder- und Jugendhilfe zu beenden und die Finanzierungsicherheit der einzelnen Helfer sicherzustellen. Darüber hinaus fordern wir eine stärkere Beteiligung von Bund und Ländern bei der Finanzierung der Kinder- und Jugendhilfe, da das Aufgabenspektrum und auch die Funktionen der Kinder- und Jugendhilfe in viele Gesellschafts- und Verantwortungsbereiche des föderalen Staatsaufbaus hinein reichen.
- die Weiterentwicklung des „Frühe Hilfe“ Programms im Saarland, durch die Einbindung von Ehrenamtlichen und der Überleitung belasteter Familien in Regelangebote sowie den Auf- und Ausbau der Netzwerke. Des Weiteren fordern wir die Einführung von multiprofessionellen Teams in der Kinder- und Jugendhilfe, um eine enge Verzahnung aller beteiligten Akteure zu ermöglichen und somit den bestmöglichen Präventionsansatz zu entwickeln.
- mehr Personal in der Kinder- und Jugendhilfe, insbesondere bei den Kinder- und Jugendämtern. Dort sollte der Personalschlüssel mindestens so weit erhöht werden, dass die Mitarbeiter*innen maximal 35 Fälle gleichzeitig betreuen müssen. Denn erst dann ist eine angemessene Betreuung der Familien und der In Obhut genommenen Kindern und Jugendlichen möglich.
- den Abbau des bürokratischen Aufwands und der hohen Hürden für die Inanspruchnahme für Leistungen aus dem Bildungs- und Teilhabepaket. Darüber hinaus fordern wir eine sozialräumliche und dezentralisierte Ausrichtung der Angebote um niedrigschwellige Anknüpfungspunkte zu schaffen und damit betroffene Familien besser zu erreichen.
- den Aufbau von Seminaren und/oder Beratungsgesprächen für Väter und Mütter während der Schwangerschaft mit dem Ziel, deren Erziehungskompetenzen zu stärken und damit auch präventiv Entwicklungsstörungen bei Kindern und Jugendlichen vorzubeugen. Außerdem fordern wir die Abschaffung der Kita-Beiträge und den Ausbau von Ganztagsangeboten zur Förderung der frühkindlichen Bildung, insbesondere der Sozial- und Sprachkompetenzen der Kinder.
- eine umfassende und anhaltende Bildungsoffensive in Sachen Kinderrechte, die Kinder und Erwachsene erreicht. Ziel der Bildungsoffensive muss eine kontinuierliche Kinderrechtsbildung über alle Bildungseinrichtungen und -typen hinweg sein. Dies gilt insbesondere auch für Kinder und Jugendliche aus armen Familien.

Beschluss

geändert angenommen

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Änderungsanträge zu A-11

Nr Zeile AntragstellerInnen Text Begründung Status
A-11-52 52 Saarpfalz

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