B-2 Demokratiebildung in der Schule – gebt den Schüler*innen mehr Mitbestimmung!

AntragstellerInnen: Landesvorstand

Zur Weiterleitung an:

SPD Landesparteitag

Demokratiebildung in der Schule – gebt den Schüler*innen mehr Mitbestimmung!

Jede*r erinnert sich noch mehr oder weniger gut an seine eigene Schulzeit. Dort lief der Schultag meistens folgendermaßen ab: die Lehrer*innen gaben die Richtung vor und die Schüler*innen hatten zu folgen. Von Mitbestimmung keine Spur!
Seit einigen Jahren werden jedoch von Seiten der Schüler*innen und ihren Vertreter*innen Rufe nach mehr Mitbestimmung im Unterricht und im Schulleben lauter und lauter. Denn wer kann wohl am besten beurteilen, was sie oder er lernen möchte und welche Bedürfnisse er oder sie im Schulalltag hat? Richtig die Schüler*innen selbst. Und wo kann Demokratiebildung besser gelernt und erlebt werden als im geschützten Raum „Schule“?
Nicht nur der Sprecher der Landesschülervertretung des Saarlandes als auch die Sprecherin der Umweltschutzbewegung „Fridays for Future“ fordern u.a. mehr Mitbestimmung in der Festlegung der zu behandelnden Themen im Unterricht, sondern auch die Elternvertretung sowie die Lehrer*innen selbst würden gerne häufiger ihre Wünsche und Vorstellungen in den Schulalltag mit einfließen lassen. Im Hinblick auf die Lehrer*innen fehlt jedoch aufgrund von chronischem Personalmangel oft die Zeit, sich aktiv für einen stärkeren Mitbestimmungsprozess einzusetzen. Hier besteht dringender Handlungsbedarf!
Wenn Demokratiebildung an Schulen gelingen soll, müssen nicht nur Schüler*innen Gehör bei der Schulleitung und den entsprechenden Stellen im Bildungsministerium finden, sondern auch die Lehrer*innen durch mehr Lehrer*innenstellen entlastet werden, so dass sie sich aktiv in den Demokratisierungsprozess einbringen können.
Darüber hinaus müssen verstärkt Maßnahmen ergriffen und Möglichkeiten in der Schule selbst geschaffen werden, die den Schüler*innen die Möglichkeit geben, aktiv an Entscheidungen, die ihre Schule und ihren Unterricht betreffen teilzunehmen. Das bedeutet es müssen verstärkt Klassenräte in den einzelnen Klassen einer Schule eingerichtet werden, in denen an einem festen Tag in einer festen Stunde innerhalb der Klasse darüber gesprochen werden kann, was die Schüler*innen wollen, welche Wünsche und Bedürfnisse sie haben und wie sie sich ihre Schule – in der sie die meiste Zeit ihrer Jugend verbringen – vorstellen. Um die nötige Zeit dafür zu haben, muss der Klassenrat verbindlich in die Lehr-und Stundenpläne aufgenommen werden, sodass kein/e Lehrer*in für den Klassenrat wertvolle Unterrichtszeit aufgeben muss. Der Klassenrat muss von den Lehrer*innen ernst genommen werden und an die Schulleitung herangetragen werden. Hierbei kommt den Klassen- und Schulsprecher*innen eine besondere Bedeutung zu, da sie die Schüler*innen gegenüber der Schulleitung und den Lehrern vertreten.
Da es an vielen Schulen im Saarland leider noch der Fall ist, dass die Schüler*innenvertretung eine recht unbedeutende Rolle spielt und keine Schülerin oder kein Schüler oftmals so richtig weiß, wer sie und ihre Interessen an ihrer Schule eigentlich vertritt, müssen Schülervertreter*innen mehr Bedeutung gewinnen und die Möglichkeit haben die Schüler*innen ihrer Schule über ihre Arbeit in regelmäßigen Abständen zu informieren bzw. sich ein Bild von den Wünschen und Bedürfnissen der Schüler*innen zu machen. Dies muss in regelmäßig stattfindenden Schülervollversammlungen getan werden. Nur so kann ein produktiver Austausch zwischen Schüler*innen untereinander und zwischen Schüler*innen und Lehrer*innen bzw. Schulleitung stattfinden. Den Wahlen zu den Schülervertreter*innen muss des Weiteren eine größere Rolle eingestanden werden. Dies wäre zum Beispiel durch die Wahl der Klassensprecher*innen und Schulsprecher*innen an einem bestimmten Tag an jeder Schule im Saarland umsetzbar. Auf diese Weise würden diese Ämter an Bedeutung gewinnen und mehr Beachtung bei den Lehrer*innen und dem Ministerium finden.
Und auch im Unterricht selbst gehört zu einer demokratischen Mitbestimmung die Auswahl bestimmter Unterrichtsthemen des Lehrplans durch die Schüler*innen. Dies führt gegebenenfalls zu höherer Motivation der Schüler*innen im Unterricht mitzuwirken und lässt sie gleichzeitig erste Erfahrungen in der demokratischen Mitbestimmung machen.
Darüber hinaus sollten Schüler*innen auch bei der Beschaffung von Lehr-und Lernmaterialien ein Mitbestimmungsrecht haben. Denn die Schüler*innen müssen mit diesen Materialien lernen und sich in der Schule damit auseinandersetzen. Daher sollten Schüler*innen auch in einem gewissen Rahmen mitbestimmen dürfen, welche Lehr – und Lernmaterialien sie benötigen.
Letztendlich gehört zur Demokratiebildung in der Schule auch der systematische Ansatz. Dieser begreift Schule als System, in dem verschiedene Bezugsgruppen (Lehrer*innen, Schüler*innen und pädagogische Fachkräfte) miteinander interagieren und von dem der Erfolg in der Schule jedes einzelnen Schülers und jeder Schülerin abhängt. Nur wenn ausreichendes Fachpersonal in einer Schule vorzufinden ist, kann eine erfolgreiche Schullaufbahn und Demokratiebildung erfolgreich umgesetzt werden. Daher ist zur Demokratiebildung in der Schule eine flächendeckende Umsetzung des systemischen Schulkonzepts notwendig.
Wir Jusos sind uns sicher, dass nur demokratische Schulen gute Schulen sind.
Die Jusos Saar fordern daher:
· Mehr Lehrer*innenstellen in den Schulen, um den Demokratiebildungsprozess voranzutreiben
· Mehr Lehrer*innenbildung, welche Rechte im Schulmitbestimmungsgesetz vorgesehen sind
· Eine flächendeckende Einführung von Klassenräten, die auch im Lehr-und Stundenplan verankert sind
· Eine größere Wertschätzung der Schülervertreter*innen durch regelmäßig stattfindende Schüler*innenvollversammlungen an jeder Schule im Saarland
· Saarlandweit gleichzeitig stattfindende Wahlen zu den Schülervertreter*innen
· Ein größeres Mitspracherecht der Schüler*innen bei der Auswahl der Unterrichtsthemen eines Faches
· Mehr Mitsprache der Schüler*innen bei der Beschaffung von Lehr- und Lernmaterialien in der Schule
· Die Umsetzung des systemischen Schulkonzepts in den saarländischen Schulen
· Die Aufnahme von ehrenamtlichen Tätigkeiten im Zeugnis

Beschluss

angenommen

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Änderungsanträge zu B-2

Nr Zeile AntragstellerInnen Text Begründung Status
B-2-7 7 Jusos SB-Land

Streiche „Geschützen Raum“

B-2-29 29 UB Saarpfalz

Ergänze in Z. 29 als neuen Absatz: “Schüler*innenvertretungen haben derzeit einen gesetzlichen Anspruch auf finanzielle Mittel und Büromaterialien zur Ermöglichung ihrer Arbeit von den Schulträgern. Diese Möglichkeit ist vielen Schüler*innenvertretungen unbekannt, weshalb hier verstärkt informiert werden sollte. Des Weiteren soll die Arbeitsfähigkeit weiter gestärkt werden, indem ein Anspruch auf Räumlichkeiten für Schüler*innenvertretung geschaffen wird.“

Ergänze nach Z. 61 als neuen Punkt: “Verstärkte Information der Schüler*innenvertretungen bezüglich der Beschaffung der Gelder und Büromaterialien sowie die Schaffung des Rechtsanspruch auf Räumlichkeiten für diese.“

 

B-2-40 40 UB Saarpfalz

Ergänze hinter Z. 40 folgendes: “Echte Mitbestimmung entsteht dadurch, dass Menschen merken, dass sie mit ihrer Stimme etwas bewegen können. Dazu ist es von Nöten, dass die Stimmverteilung paritätisch gestalten. Im Fall der Schulen würde es bedeuten, dass Lehrkräfte, Schüler*innen und Eltern jeweils ein Drittel der Stimmen in Gremien besitzen, die allgemeine Entscheidungen treffen, die die gesamte Schulgemeinschaft betreffen. So können Schüler*innen erste positive Erfahrungen mit Demokratie machen und es werden Entscheidungen getroffen, die eine höhere Akzeptanz aller beteiligten Gruppierungen haben und somit die Schulgemeinschaft stärken.“

Ergänze in Z. 61 als neuen Punkt: “Gremien, die die gesamte Schulgemeinschaft betreffen, sind Drittel-paritätisch zwischen Lehrkräften, Schüler*innen und Eltern zu besetzten.“

B-2-48 48 Jusos SB-Land

Füge ein nach „benötigen“: Maßgeblichen Einfluss können Schüler*innen deshalb über sog. Fachkonferenzen erlangen. Fachkonferenzen sind die Zusammenkünfte der jeweiligen Fachlehrer*innen an einer Schule. Fachkonferenzen können nach § 15 des Schulmitbestimmungsgesetz die Auswahl der Lehr- und Lernmittel im Rahmen der gesetzlichen Vorgaben treffen. Insbesondere bei den Fachkonferenzen der gesellschaftswissenschaftlichen Fächer, wie Politik oder Sozialkunde muss ein Mitbestimmungsrecht, das über ein ledigliches Beratungsrecht hinausgeht, bestehen. Dabei können die gewählten Schülvertreter*innen Impulse setzten, welche unter anderem auch aktuellen politischen Themen sie im Unterricht besprechen möchten aber auch inwieweit beispielsweise Medien im Unterricht eine Rolle spielen sollen. Die Bestimmung in den jeweiligen Klassenräten oder der Schülervertretung, sodass auch hier eine demokratische Entscheidung zu Grunde liegt.

B-2-64 64 Jusos SB-Land

füge ein nach „Schule“: „durch ein Mitbestimmungsrecht in den Fachkonferenzen“

B-2-66 66 Jusos SB-Land

Ersetze “Die“ durch “ Das verpflichtende Angebot zur“

B-2-Z. 29 Z. 29 UB Saarpfalz

Ergänze in Z. 29 hinter “vertreten“ folgendes: “Verbindungslehrkräfte sollen bei der Vermittlung zwischen den beiden Gruppen stärker unterstützend tätig werden. Eine entsprechend Freistellung ist im ausreichenden Maße zu gewährleisten.“

Ergänze in Z. 57 hinter “Lehrer*innenstellen“ folgendes: “Freistellungen für Verbindungslehrkräfte“

Änderungsantrag zu B-2 erstellen

Betrifft die Antragszeile


Bitte trage in das Feld „Betrifft die Antragszeile“ nur die erste Zeile ein, die von deinem Änderungsantrag betroffen ist (wenn z.B. die Zeilen 123 bis 140 ersetzt werden sollen, schreibe nur 123 in das Feld). Der eigentliche Änderungsantrag gehört – mit allen Zeilennummern ganz normal ins Textfeld. Im oberen Beispiel also: “Ersetze Zeile 123 bis 140 durch Blablub…”. Also nochmal: Das Feld “Betrifft die Antragszeile” dient nur technischen Zwecken. Die Angabe wird nicht auf den Änderungsanträgen abgedruckt! Das Antragstool kann aber nur gut funktionieren, wenn ihr diese Angabe macht.

AntragstellerInnen


(wird nicht veröffentlicht)
(wird nicht veröffentlicht)

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